Atelier Suchra Gummelt


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Kritiken

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Hundert Bilder pure Leidenschaft
«Femininer Dissens» heißt die Schau der bekannten halleschen Malerinnen Gabriele Böttcher und Suchra Gummelt
VON DETLEF FÄRBER, 30.07.09,

HALLE/MZ. So ist das auf der Welt. Man muss nur streng genug in entgegengesetzte Richtungen laufen, um sich irgendwann wieder an einem Punkt zu treffen. Das Thema Weiblichkeit ist übrigens genau so eine runde Sache. Man kann es auf die gegensätzlichste Weise behandeln und kommt am Ende doch zu gleichen Schlüssen. Das haben jetzt zwei bewiesen, die was davon verstehen müssen. Sie sind Künstlerinnen, zwei der erfolgreichsten und eindrucksvollsten halleschen Malerinnen:
Gabriele Böttcher und Suchra Gummelt. "Femininer Dissens" lautet dann auch folgerichtig der Titel ihrer gemeinsamen Ausstellung, die Donnerstagabend in der Villa Kobe eröffnet wurde.
Was da zu sehen ist, haut einen einfach um. Aus den gut hundert Bildern schlägt einem eine solche Intensität und und Leidenschaftlichkeit entgegen, dass man - zumindest als männlicher Betrachter - unwillkürlich ein Stück zurückweicht.
Dabei kommt einem die Weite der Räume in diesem Kunsthaus zustatten, die zur Wucht und Strahlung dieser Bilder den nötigen Abstand ermöglicht.
Wenn man sich dann in die Kraftfelder dieser Kunst hinein wagt, beginnt eine Entdeckungsreise. Umrankt von einigen Naturmotiven und Tieren (auch wenigen menschlich-männlichen darunter) öffnet sich sodann der Kosmos der Weiblichkeit in künstlerischer Durchdringung aus ebenso weiblicher Sicht. Hans-Wolfgang Timme, einem der Redner bei der Ausstellungseröffnung, fielen dabei die Stile der Künstlerinnen als fast schon größtmöglicher Gegensatz ins Auge: "Expressiv die Bilder von Suchra Gummelt, romantisch die von Gabriele Böttcher". Thema und Botschaft von beiden, so der als Collageist wie als Galerist bekannte Timme, sei aber "die Stärke des weiblichen Geschlechts".
Und tatsächlich: Beide Malerinnen kommen auf ihren extrem unterschiedlichen Wegen letztlich an diesem einen Punkt heraus. Gabi Böttcher auf eher direktem, Suchra Gummelt auf eher indirektem. Böttchers Bilder sind wie Altäre für die weiblichen Reize, vor denen man schier niederknien möchte. Kein Wunder, schließlich bedient sie sich ganz unbekümmert und unverkrampft an allen möglichen Motiven der mythischen Bildwelt. Ursprünglich Textilgestalterin, dann Schülerin unter anderem von Willi Sitte, hat Gabi Böttcher einen Hang zum Barocken. Und das nicht nur wegen der Freude an der Darstellung von großzügigen Körperformen. Auf tieferer Ebene ist es auch das stets mitschwingende Wissen um die Vergänglichkeit all dieser Pracht, das die spezifische Magie von Gabi Böttchers Bildern ausmacht.
Ganz anders bei Suchra Gummelt. Als Mittelpunkt der aus Russland stammenden Künstlergemeinde in Halle ist die Tatarin, die in Moskau gelebt hat, für die ganz andere Farbe und auch für den Hauch von Multi-Kultur in der sonst so überschaubaren Welt der hiesigen Malerei zuständig. Nicht ohne zu zeigen, dass sie auch nahe am Porträtistischen arbeiten könnte, entfernt sie sich jedoch zunehmend davon - meist in Richtung einer eher abstrakten Erotik. Weibliche Figuren und Formen lösen sich in Formfragmente und Symbole auf, ohne freilich ihren Sexappeal einzubüßen.
Wie die Künstlerin das schafft? - Ganz einfach (aber wohl schwer zum machen): Sie lässt es in ihren Farben knistern.
Sie stellt die Spannung ungeschützt in den Raum. Mit dem Effekt, dass ihre Bilder auch da, wo sie fast durchweg nicht-gegenständlich sind, sehr konkret und unzweideutig wirken.
Doch was kann man lernen aus dem "femininen Dissens"? - Dass auch Künstler ihre Kunst nicht zu ernst nehmen müssen?
Oder dass das, was weiblich schwach wirkt, Stärke ist? - Das und auch dies. Aber vor allem das: Es streitet sich besonders trefflich, wenn man im Grunde einer Meinung ist.


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